Geister der Nacht

Geister der Nacht

Geflügelter Tod?

In vielen Kulturen gilt die Nacht als eine Zeit für Geister, ja, sogar für allerlei böse Mächte. In Europa glaubte man verstärkt im Mittelalter an auferweckte Toten auf Friedhöfen, finstere Magier schleichen um die Ecken, während die Kirchturmglocken die 24 Uhr schlagen.

Zu so einem Bild setzen viele Horrorfilme wie “Dracula” gern noch ein Tier hinzu. Eines, das schon seit hunderten von Jahren zu nächtlichen Friedhöfen gehört; eines, das die Menschen als gruselig empfanden und ihn zum Teufel einordneten: Fledermäuse. Es waren Fledermäuse, die auf die Bevölkerungen so böse und dunkel einwirkten, sodass sogar der Teufel häufig mit Fledermaus-Flügeln dargestellt wird. Grund dafür ist wahrscheinlich seine Angewohnheiten, lautlos zu erscheinen und ebenso durch die Luft zu flattern. Die früheren Menschen war das Herumschwirren der Fledertiere nur allzu unangenehm, denn in deren Flüge lassen sich nur selten Regelmäßigkeiten entdecken. Deshalb dachten sie, die Tiere wollen ihnen mit großer Aggressivität Angst machen und beschwöre böse Mächte herauf.

Ein weiterer viel wesentlicherer Grund für solche Gedanken könnte das Erscheinen der Tiere erst bei Dunkelheit sein. Denn was die Menschen bei hellem Licht nicht sehen können, nur im Dämmerlicht, ist ihnen unheimlich. Manche Fledermäuse fliegen auch so schnell, sodass es den früheren Menschen schwer fiel, auch mehr als nur ein vorbeiziehenden Schatten zu erkennen.

Andere jedoch, wie z. B. Breitflügelfledermäuse, verzichten auf rasende sowie komplizierte Flugmanöver und gehen eher gemächlich auf die Jagd. Durch solche Fledermäuse haben die Menschen wohl es das erste Mal geschafft, das Tier, das immerzu Abends fliegt, endlich in ihren mentalen Tier-Lexikon einzuordnen.

Doch weiterhin galten die Fledermäuse als ein Mythos und deren Erscheinen als ein böses Zeichen, wie auch schon in europäischen Schriften bewiesen. Schon von der Antike an stellten angeblich Hexen und dunkle Magier diese als Diener ein, in der Bibel werden sie als unrein bezeichnet. Der Gedanke der Vorfahren hielt sich also noch tapfer und wird von manchen Menschen heutzutage noch unterstützt.

Ein Jahr bei den Fledermäusen

Aber wenn sie weder den Teufel beschwören noch die Menschen Angst einjagen wollen, was tun sie dann?

Ja, dies ist eine berechtigte Frage. Und um diese zu beantworten, müssen wir eine einzelne Fledermaus das ganze Jahr über begleiten. Zur welchen Gattung von Tieren gehören sie? Was sind ihre Beschäftigungen? Wo wohnen sie und was verbindet uns mit den Tieren so? Alle diese Fragen werden im nachfolgenden Text bearbeitet…

Fangen wir, wie auch jedes gewöhnliche Jahr, mit dem Januar an. Es liegt Schnee auf dem Boden und ein eisiger Wind fegt übers Land. Wir Menschen haben und in der heranziehenden Nacht schon längst in unsere warmen Wohnungen verschanzt. Draußen in der Kälte wandert ein kleines Häschen, aber sonst nirgendwo ein Insekt zu erkennen. Genau solche Insekten ist der Grund für das fernbleiben der Fledermäuse. Die „Flattermänner“ ernähren sich fast ausschließlich von Insekten jeder Art. Ab und zu werden auch Raupen verspeist, vorausgesetzt, sie können welche von den Bäumen schnappen. Ohne eine Nahrungsquelle ist das Überleben besonders im Winter absolut unmöglich. Die Fledermäuse halten stattdessen Winterschlaf in einer Steinhöhle, um wieder für den Frühling fit zu sein, wo die Jungtiere geboren werden müssen. Für Winterschläfe werden Höhlen bevorzugt, da sie in großen Mengen hineinpassen und sich zum wärmen einander drängeln können, und darüber hinaus auch nicht sonderlich auffallen, wenn sie sich in großen Massen von der Steindecke hängen. Das Gehänge ist wohl die bekannteste Angewohnheit, die wir kennen. Denn wer sich an die Decke hängt, ist oft von jagenden Vierbeinern geschützt und werden selbst von scharfäugigen Vögeln nur sehr selten entdeckt. Das Verhalten sorgt, ohne jegliche Übertreibung, für das Überleben der Flattertiere. Man kann also behaupten, das sie ein wahres Erfolgsprojekt der Evolution sind, denn sie sind die einzigen Säugetiere, die aktiv, also eigenständig fliegen können. Sollte Gefahr sein, schwirren sie einfach davon und werden somit unerreichbar für (z. B.) Katzen.

Im Winterschlaf bleiben sie, bis die Temperaturen endlich ansteigen und erste Insekten die Lüfte durchqueren, dann heißt es auch für Fledermäuse: Erwacht und geht auf die Jagd!

Fledermaus in der Mauerritze aus http://de.wikipedia.org/wiki/Fledermaus

Weil die verschiedenen Arten der Fledermäuse sich in den meisten Fällen nach dem Winterschlaf trennen und verschiedene Jagdverhalten bzw. Wohnorte einzunehmen, sind wir nun gezwungen, nur einer einzigen zu folgen: Einer Fledermaus der Art „Breitflügel“. Sie sind bis zum 55. Breitengrad noch zu entdecken und erscheint in NRW relativ oft. Aber selbst die Art teilt sich untereinander soweit auf, bis nur noch ungefähr zwei Dutzend sich auf die Wege machen. Und die Wege führen geradewegs in unsere Städte. Einzig die Insekten, die bei den Mülltonnen und Komposthaufen sowie den gut gepflegten Fruchtbäumen in unseren Gärten gute Fortpflanzungsplätze finden, treiben die meisten Fledermäuse in den Stadtstaub und -lärm. Außerdem leben in den Städten die am besten ernährte Insekten, wohl an Mangel der Konkurrenz, sodass die verschiedenste Fledermäuse sich immer mehr Siedlungen anstatt Wälder als Quartiere aussuchen. Manche besiedeln die Dachböden unserer Wohnungen, manche verstecken sich gut aufgeteilt hinter Regenrinnen, und manche suchen sich ein sicheres Plätzchen hinter den Fensterläden. Viele Menschen leben fast ihr ganzes Leben in unmittelbarer Nähe der Fledermäuse, ohne nur ein Fünkchen Verdacht zu schöpfen. Tagsüber, wenn die Fledermäuse schlafen, kann man kein einziges Anzeichen dieser Mitbewohner entdecken, doch Abends, wenn wir uns zur Ruhe legen, kommen sie heraus. So auch unsere Breitflügelfledermaus. Sie sucht sich mit einigen Artgenossen noch im warmen Frühling ein Quartier. Dabei fällt ein etwas abgelegenes, aber ruhiges Haus, welches von einer Baumgruppe umgeben ist, in ihrem Visier. Äste großer Bäume sind perfekte Plätze zum Ausruhen, weil sie gute Landeplätze für die Flattertiere bieten. Sie können sich ohne weitere Gefahren kopfüber dranhängen, wie wir es von ihnen kennen. Das Jagen verbraucht nämlich sehr viel Energie, obwohl sie sich im Laufe der Evolution daran gewöhnt haben. Sie bleibt weiterhin eine Herausforderung der Sinnen und Gelenken. Unsere Breitflügelfledermaus fliegt mit ihren Artgenossen zusammen kurz nach Sonnenuntergang aus ihrem neuen Zuhause aus, womit für sie das Frühstück beginnt. Jetzt ist auch Konzentration und Ausdauer gefragt, die nächste Mahlzeit gibt es erst wieder morgen um die gleiche Zeit.

Scheinbar planlos fliegen die Tiere ohne jegliche Absprache hin und her. Selbst nach einer Viertelstunde sieht es für ahnungslose Beobachter aus, als wäre die Jagd wenig erfolgreich gelaufen. „Kein Wunder“, wurde schon vielfach gesagt, „so wenig, wie die sich anstrengt!“

Tatsächlich weicht die Fledermaus kaum von ihrer Flugbahn ab, stattdessen wird seelenruhig weiter „spaziert“. Doch das ist nur Schein. In Wirklichkeit planen die Fledermäuse ihre Flugbahnen soweit, sodass sie die meist mögliche Zahl an Insekten erwischen.

Und an der Stelle beginnt die größte Besonderheit dieser Tiere. Sie sehen mit Echoortung. Das heißt, sie sehen nicht wirklich mit den Augen, die können im Prinzip nur hell und dunkel unterscheiden, in Wahrheit senden sie mit der Kehle Ultraschalllaute heraus. Sollten die Strahlen auf ein Flugobjekt, wie zu Beispiel einen Falter treffen, prallen die Laute wie ein Gummiball ab. Die Laute kommen also wieder zur Fledermaus zurück. Je nachdem, ob die Laute zurückkehren oder fortbleiben, kann die Fledermaus bestimmen, ob ein Objekt vor ihm liegt oder nicht. Wie groß das Objekt ist, und wie weit es von ihr entfernt ist, gibt die Intensität des Tones vor. Das Gehirn baut auf das Echo der Töne ein Bild auf. Wissenschaftler vermuten, dass die Farbe bei der Echoortung fehlt, die Genauigkeit der Bilder jedoch soll weit mehr als die unseren Auges entsprechen.

Mithilfe einer solchen Technik ist die Fledermaus zum Sehen nicht weiter auf Licht angewiesen.

Der Nachteil ist trotz allem, dass die Fledermaus nur mit Echoortung etwas erkennen kann, wenn sie zuvor ein Laut ausgestoßen hat. Ohne Laute, keine Bilder. Außerdem erzeugt die Echoortung kein fortlaufendes „Video“, wie wir es von unserem Auge kennen, sondern nur „Momentaufnahmen“. Das ist der Preis für den messerscharfen „Blick“ der Tiere.

Nach ein paar Wochen steigen die Temperaturen im Frühling an. Nun wird es Zeit, dass Männchen und Weibchen sich trennen. Denn bald kommt der Nachwuchs, da haben Männchen nichts zu sagen. Allein die Weibchen übernehmen deren Erziehung und Fütterung. So teilt sich die Breitflügelfledermaus-Kolonie noch weiter auf. Für die Männchen heißt es, das Wochenstubenquartier der Weiber verlassen und sich ein Sommerquartier für die Männchen zu suchen.

Anfang Sommer ist es so weit: In den Wochenstubenquartiere (Wohnort der Weibchen) beginnt ein heilloses Durcheinander. Neuer Nachwuchs kommt und will gesäugt werden. Diese Aufgabe werden nur manche zugeteilt, die anderen Mitbewohner müssen für Nahrung sorgen. In dem Zustand verläuft es nun Tag für Tag, bis die Jungtiere in der Lage sind zu fliegen. Meistens treibt es die Neugier der Jungen in die Wohnhäuser von uns, in meisten Fällen finden sie aber auch wieder selbst hinaus. Die Ausbildung fürs Fliegen und Jagen zieht sich bis in den frühen Herbst im September hinein. Dann verlassen sowohl die Männchen, als auch die Weibchen ihre Quartiere und ziehen wieder in ein gemeinsames Quartier ein, in das sogenannte „Paarungszwischenquartier“. Wie der Name auch schon hindeutet, findet in dem Quartier die Paarung statt. In der Zwischenzeit fangen die Fledermäuse allesamt so fleißig wie noch nie in diesem Jahr Insekten. Sollten die Temperaturen herabsinken, werden auch die Insekten wie vom Erdboden verschluckt sein, außerdem benötigen die Flattertiere für den langen nahrungsarmen Winter eine dicke Fettschicht zum Überleben. Und der Winter ist nicht mehr fern…

Vampire gibt es wirklich!

Wo wir jetzt uns bereits eine typische europäische Fledermaus angesehen haben, ist nun die Zeit gekommen auch Fledermäuse aus anderen Gebieten der Erde zu studieren. Viele weiter bei uns lebende Fledermäuse werfen fast die gleichen Merkmale auf wie unsere Breitflügelfledermaus auf. Doch die Verhältnisse verändern ich schnell, wenn wir nach Süden, in die Savannen, in die Regenwäldern als auch in die Halbwüsten schauen. Die dort existierende Fledermäuse sind um einiges größer, vor all Dingen aggressiver und mörderischer. Im Gegensatz zu den nördlichen Arten, die sich ausschließlich von Insekten ernähren, vergreifen sich die Riesen-Fledermäuse dort schon gerne an Ratten, Mäuse und andere kleinen Säugetiere.

Die größte amerikanische Fledermaus, die in den humiden Tropen Südamerikas leben, die „Große Spießlattnase“ gehört zu den gefährlichsten. Sie sollen sogar schon Menschen überfallen haben. Diese Art frisst zudem noch kleiner Fledermäuse, auch Vögel entkommen selten ihren Krallen, selbst Eidechsen werden aufgespürt.

Um der starken Konkurrenz zu entkommen, veranlagt der „Gemeine Vampir“ seine Fähigkeiten auch das Saugen von Blut. Von ihm stammen alle Geschichten von Vampire.

Aber keine Sorge, der Gemeine Vampir saugt kein Menschenblut, bei ihm sind Rinderblut viel interessanter. Der Gemeine Vampir fliegt auf den Rücken des Rindes und gräbt sich mit seinen Zähnen eine Wunde. Sobald das Blut hervor quillt, beginnt der Gemeine Vampir das Blut abzulecken. Die Wunde schadet dem Rind zum Glück so gut wie gar nichts.

Zu guter Letzt erwähne ich hier noch die größte Fledermaus der Welt. Es ist der „Australische Gespenstfledermaus“. Sie besitzt eine Flügelspannweite von 60 Zentimeter.

Bedrohung

Die Fledermäuse sind weit bedrohte Tiere. Die Lebensräume werden für diese immer weniger. Straßen- und Maschinenlärm vertreiben die Fledermäuse weiter. Durch den Ultraschall der Windkraftanlagen stört man die empfindliche Echoortung der Tiere.

Steckbrief Breitflügelfledermaus

Name: Breitflügelfledermaus

Flügelspannweite: 31, 5 – 18, 1 cm

Gewicht: 14, 4 – 33, 5 g

Vorkommen: bis zum 55. Breitengrad

Lebensart: lebt in Siedlungsgebiete.

Beobachtungsmöglichkeit:

  • 20 – 30 min nach Sonnenuntergang fliegen sie raus.
  • Jagen 3 – 10 m über dem Boden.
  • Langsamer regelmäßiger Flug.Also schön die Augen offen halten!!!
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