Filmwelt und Realität – Interview mit einer Rechtsmedizinerin

Fast jeder hat schon einmal eine der berühmten Serien wie „ Navy CIS“  oder  „ CSI Miami“  gesehen. Die Wirklichkeit allerdings sieht anders aus, ist aber keineswegs weniger spannend.

 Wir sind für euch nach Düsseldorf in die rechtsmedizinische Abteilung der Uniklinik gefahren um mit einer echten Rechtsmedizinerin zu sprechen:

Schon unser erster Eindruck von ihr war völlig anders als von den Rechtsmedizinern, die man in den Fernsehserien sieht. Frau Dr. Gahr wirkte sehr sportlich, sympathisch, offen und freundlich.                                                                                                                      Ebenfalls anders als in Filmen, untersuchen Rechtsmediziner nicht nur Leichen sondern auch lebendige Opfer von Gewaltverbrechen und alle nicht natürlichen Todesfälle, wie z.B. bei Autounfällen.  Auch befindet sich der Obduktionssaal nicht zwangsläufig im Keller. In unserem Fall lag er sogar in der ersten Etage mit Aussicht ins Grüne. Also – es ist keineswegs ein dunkler und einsamer Raum wie zum Beispiel in der Serie “Body of Proof“. Wir waren überrascht, dass wir uns selber einen Eindruck davon machen durften.

Außerdem verläuft, so erzählte uns Frau Dr. Gahr, eine Obduktion in der Wirklichkeit weitaus geordneter als in den meisten Filmen, wo die Rechtsmediziner  ein regelrechtes Blutbad mit den Toten veranstalten. Sie erklärte uns alle „Instrumente“ und was mit den einzelnen Organen geschieht. Habt ihr zum Beispiel gewusst, dass alle Organe nach der Untersuchung und dem Wiegen wieder an ihren Platz kommen? Nur das Gehirn kommt  in die Bauchhöhle, da es sich verflüssigt und sonst aus der Schnittwunde herauslaufen  würde.  Da es in Filmen oft sehr außergewöhnlich und spannend dargestellt wird, fragten wir Frau Dr. Gahr, ob sie schon mal einen abgetrennten Kopf obduziert habe. Darauf antwortete sie gelassen:  „Die meisten abgetrennten Köpfe waren gar nicht so spektakulär.“ Bei zwei von drei Fällen, an die sie sich erinnern konnte, haben sich die Menschen vor einen Zug gelegt, sodass ihnen der Kopf abgetrennt wurde. Der dritte „Patient“ hatte sich selber eine Guillotine gebaut.                                                        

Im Interview erzählte sie uns, dass sie in ihrer Kindheit noch nicht den Gedanken gefasst hatte diesen Beruf auszuüben. Jedoch wollte sie schon immer Medizin studieren, obwohl ihre beiden Elternteile im medizinischen Bereich tätig waren, ihr Vater als Unfallchirurg und ihre Mutter als OP-Schwester, und sie somit auch die Nachteile, zum Beispiel schwere Schicksale anderer Menschen, dieses Berufes mitbekam. Während ihres Studiums im Ausland überredete ihre Freundin sie in eine Lesung für Rechtsmedizin hereinzuschauen.  Später machte sie dann ein Praktikum mit dem Gedanken, wenn es ihr Spaß macht und sie sich mit dem zum Teil  schrecklichen Anblicken abfinden kann, diesen Beruf auszuüben. Auch wenn es für einige seltsam klingen mag, sie findet ihren Beruf „toll“.  Außerdem erzählte sie uns, dass es auch nach 9 Jahren, in denen sie schon als Rechtsmedizinerin arbeitet, immer noch Dinge gibt, die sie ekelig findet. Wobei sie auch erwähnt, dass diese aber einfach zu ihrem Job dazu gehören. Zum Beispiel würde sie sich Maden auch nicht als Haustiere halten wollen.

Frau Dr. Gahr arbeitet in ihrem Job auch in der Wissenschaft. Hierbei versuchen sie und ihre Kollegen beispielsweise  Methoden zu entwickeln um Leichen besser identifizieren zu können.  Sie versuchen zum Beispiel Gesichtsrekonstruktionen zu fertigen oder die Finger einer Wasserleiche wieder so herzustellen, dass man Fingerabdrücke nehmen kann.

Wir fanden insgesamt wirkt ihr Job sehr abwechslungsreich und hoffen, wir haben euch einen kleinen Einblick in die reale Welt der Rechtsmedizin verschafft.

Julia Quedenbaum und Lena Weick, 8b

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