Situation in deutschen Stadien

Ein Interview mit Lars Mühlbradt, dem Sicherheitsbeauftragtem von Werder Bremen, über die Sicherheit in deutschen Stadien

 Was sind ihre Aufgaben als Sicherheitsbeauftragter des SV Werder Bremen und als Geschäftsführer von Elko and Werder  Security?

Der Sicherheitsbeauftragte hat sich grundsätzlich um die Sicherheitsbelange rund um ein Fußballspiel zu kümmern, was eine sehr vielschichtige Aufgabe ist. Schon Wochen vor einem Spiel tauscht man sich darüber aus, wie viele und welche Gäste anreisen. Außerdem muss in Erfahrung gebracht werden, wie und wann die Fans anreisen. Die Fans werden in Kategorien eingeteilt. Es gibt die „A-Fans“, „ganz normale Fans“, die „B-Fans“, auch Kuttenfans genannt, die meistens Stehplätze belegen. Die Minderheit der Fans, die „C-Fans“ sind gewalttätig und nutzen das Fußballspiel nur als Bühne um ihre „persönlichen Vorlieben“ auszuüben.

 Wie viele Mitarbeiter werden bei Fußballspiel von ELKO AND WERDER SECURITY eingesetzt?

Bei einem Fußballspiel werden zwischen 400-600 Personen eingesetzt. Bei sogenannten „Risikospielen“ setzen wir 600 Mitarbeiter ein, bei einem nicht ausverkauften Spiel werden jedoch auch nur 400 eingesetzt. Man muss diese Zahlen natürlich im Verhältnis mit den Zuschauern sehen: In Stadien wie Berlin oder Dortmund, wo die Kapazität fast doppelt so hoch ist, werden dann folglich auch weitaus mehr Ordnungskräfte eingesetzt.

 Sind Fans oft gewalttätig?

Die meisten Fans sind friedfertig. Bei den Fans, über die wir uns im negativen Sinne unterhalten, handelt es sich um weniger als 10 % der Zuschauer. Diese bereiten uns jedoch viele Schwierigkeiten. Heutzutage gehen viel mehr Frauen und Kinder als früher in deutsche Stadien. Das zeigt auch, dass der Besuch eines Fußballstadions von der Bevölkerung als sicher und schön eingestuft wird. Das war noch nicht immer so.

Was machen gewaltbereite „Fans“ für Vergehen?

Sie schrecken nicht vor Körperdelikten, Sachbeschädigung und der Erschleichung von Leistungen zurück. Letzteres heißt, ohne Karte versuchen ins Stadion zu kommen oder in einen Bereich zu gehen, den die Eintrittskarte nicht vorsieht. Diese Vergehen fallen entweder unter das Strafgesetzbuch oder die Sportgerichtsbarkeit.

 Kann man noch ohne Bedenken seine Kinder in deutsche Stadien schicken?

Aktuell ist es so, dass ein Stadion der Bundesliga, wie das Weser Stadion, ein Ort ist, den man gerne auch als Kind besuchen kann. Man muss in Deutschland wie auch in England, Frankreich und Holland keine Angst haben, wenn man ein Fußballstadion besucht. Jedoch muss man immer bedenken, dass man eine  Massenveranstaltung besucht. Wenn viele Menschen zusammenkommen, wie auch bei Konzerten, besteht immer ein gewisses Restrisiko. Es gibt keine 100%ige Sicherheit. Nirgendwo. Auch in Zukunft werden wir mit dem DFB, der Polizei und allen anderen beteiligten Organisationen eng zusammenarbeiten, um die Sicherheit aller Beteiligten zu gewähren. Wir möchten natürlich aber auch nicht den Charakter des Fußballspiels  zerstören. Spielregeln müssen eingehalten werden. Eine Atmosphäre wie in der Kirche würde aber den Sport, den so viele Deutsche lieben, „kaputt machen“. Wir müssen das „Goldene Maß aller Dinge finden“!

 Wie wird gegen- die oft diskutierte – Pyrotechnik vorgegangen?

Die klar verbotene Pyrotechnik fällt oft unter das Sprengstoffgesetz. Wenn trotzdem Leute versuchen mit Pyrotechnik durch die Kontrollen zu gelangen, müssen sie damit rechnen, eine Anzeige, sowie Stadionverbot zu erhalten. Dieses Verbot dauert deri Jahre und man wird aus allen deutschen Stadien ausgeschlossen. Damit die gewaltbreiten Fans es nicht schaffen die Pyrotechnik zu zünden, werden auch „Pyro-Hunde“, sowie viele Kontrolleure eingesetzt.

 Haben sie die Szenen in Düsseldorf erschreckt?

Ja, das war schon erschreckend. Vor allem das Verhalten einiger Offiziellen, die die Pyrotechnik in Schutz nahmen, wirkte auch auf mich beklemmend. Trotzdem sollte man- aus Sicherheitsbedenken- die Relegation nicht abschaffen. Bei jedem Bundesligaspiel, wo es um etwas geht, kommen bei vielen Fans Emotionen auf, die sie versuchen, ordnungswidrig auszuleben.

 Hätte man diese Ereignisse dort verhindern können?

Das kann ich aus der Ferne nicht beurteilen, ich weiß nur, dass unsere Fans, hier im Bremer Weser Stadion, sehr friedlich sind. Wir haben sogar –als einer der wenigen Vereine der Bundesliga- die Erlaubnis den Stadionzaun näher am Spielfeld aufzubauen.

 Wie würden Sie- kurz und knapp- die Situation in deutschen Stadien beschreiben?

Die deutschen Stadien haben sehr hohe Sicherheitsstandards. Ich kann jedem Besucher nur empfehlen sich selbst ein Bild zu machen, und ein Fußballspiel zu besuchen. Angst muss man keine haben.

 

Von Lars Egler, Nick Kastenholz und Florian Bühning, 8c

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