Eigentlich ein ganz normales Leben

Das Interview handelt von einer Familie mit einem geistig behinderten Kind, es beschreibt ihr Leben und verschiedenen Erfahrungen näher. So soll ein Eindruck davon geschaffen werden, was es heißt mit so einer Situation zu Leben.

 Welche Behinderung hat ihr Sohn und was ist unter dieser Behinderung zu verstehen?

Er hat das Down-Syndrom, das ist eine geistige Behinderung. Kinder mit Down-Syndrom sind von Geburt an auffällig, sowohl ihre körperliche als auch ihre geistige Entwicklung ist gestört. Das Verhalten meines Sohnes ist also nicht auf sein Alter zurück zu führen, denn in seinem Kopf ist er immer jünger. Oftmals ist es sehr schwer wirklich zu beschreiben was genau mit dem Kind ist, wenn es das Down-Syndrom hat.

Während Kleinkinder ohne  Behinderung bereits nach einem Jahr die ersten Schritte wagen,benötigen Gleichaltrige mit Down-Syndrom meist doppelt so viel Zeit dafür.

 Wie war ihre erste Reaktion  als sie erfahren haben, dass sie einen behinderten Sohn zur Welt bringen würden?

Das ist echt nicht einfach zu beschreiben. Ich glaube ich spreche im Namen aller Mütter die so etwas erlebt haben. Zuerst ist es ein großer Schock und man macht sich viele Gedanken.

Doch ich glaube, ich habe erst später gemerkt, was es wirklich heißt einen behinderten Sohn auf die Welt zu bringen. Man ist traurig, verzweifelt macht sich selber Vorwürfe und denkt darüber nach, was man falsch gemacht hat. Ich habe viel Unterstützung von meiner Familie bekommen und bin ihnen dafür auch sehr dankbar. Man stellt sich vor wie es ist damit zu leben, ob es schwieriger wird oder einfacher. Darüber habe ich mir viele Gedanken gemacht. Man fragt sich dann „Wieso ich?“, von so vielen Menschen auf dieser Welt doch ich glaube man wurde einfach dazu bestimmt. Denn auch er ist einfach nur ein Kind, was froh ist auf der Welt sein zu dürfen und genau so ein Kinderleben führen möchte wie andere.

 Welche Erfahrungen haben sie als Mutter in den ganzen Jahren gesammelt?

Mit den Jahren lernt man damit um zu gehen und oftmals das es wirklich einfacher ist als man es sich vorgestellt hat. In meinen Augen ist die Krankheit nicht schlimm. Auch wenn ich tagtäglich mit viele Kommentaren konfrontiert werde, die auch oft  verletzend sind. Die Kinder bekommen davon nicht viel mit und fühlen sich genauso wie andere Kinder in ihrem Alter. Ich führe mit meinem Sohn ein ganz normales Leben so wie jeder andere. Es gibt bei uns kein „anders sein“, für uns sind alle Menschen gleich. Die ersten Jahre waren die schwersten für mich, man muss vieles lernen um sich gut um die Kinder sorgen zu können. Doch man findet sich mit der Zeit damit ab und akzeptiert e , so wie es ist. Ich bin so froh meinen Sohn auf die Welt gebracht zu haben, er ist etwas ganz Besonderes. Ich wünschte es würde jeder Familie so gut gehen wie uns.

Ich bin einfach  stolz und froh, wie er jede Situation meistert. Ein Leben ohne ihn kann ich mir nicht mehr vorstellen. Ich würde niemals sagen das es schlimm ist oder anstrengend ist so zu leben , diese Behauptungen finde ich ganz schrecklich.

Merkt ihr Kind das es sich von anderen gesunden Kindern unterscheidet?

Das kann ich nicht so gut beurteilen.  Das Einzige, was er merkt ist , dass er in verschiedenen Situationen Sachen nicht gut so bewältigen kann wie andere.

Dann fragt er mich, wieso er das denn nicht kann oder nicht machen darf.

Das macht meinen Sohn manchmal traurig.  Doch er gibt dann immer alles und versucht z.B. beim Fangen genauso schnell zu rennen wie andere Kinder.  Er gibt sich immer ganz viel Mühe bei dem, was er tut.  Ich denke auch, dass es ihm nicht wirklich auffällt, da er ja in seinem Alltag in der Schule mit den gleichen Kindern zusammen ist, die also auch eine Behinderung haben. Durch die Stadt zu laufen gefällt ihm nicht immer, denn er zieht viele Blicke auf sich und fühlt sich dann oftmals nicht wohl. Ein Zeichen dafür ist, dass er mit dem Kopf nach unten läuft und nicht möchte das er angeschaut wird.

 Könnten sie uns einen  Tagesablauf beschreiben?

Ja, das mache ich gerne.  Ich muss davor sagen. dass es nicht viele Unterschiede zu einem normalen  Ablauf  gibt, da wir auch ein ganz normales Leben führen.

Ich wecke meinen Sohn morgens und helfe ihm sich anzuziehen und Zähne zu putzen.

Danach setzen wir uns beide zusammen an den Tisch und frühstücken. Es ist meist ein sehr entspannter Morgen für uns beide. Dann wird er von einem kleinen Bus abgeholt, dieser hält direkt vor unserer Tür. Es werden ca. 10 Kinder morgens abgeholt und dann in die Schule gebracht. Man kann es sich wie den normalen Busverkehr vorstellen. Der Fahrer ist ein ausgebildeter Mann, der gut mit den Kindern umgehen kann. Mein Sohn geht auf eine extra Behinderten-Schule für Kinder in seinem Alter. Ich bin sehr froh, dass er dort seinen Platz gefunden hat und sich sehr wohl fühlt. Der Unterricht läuft dort etwas anders ab. Es gibt keine strenge Regelung wie auf anderen Schulen.  Die Fächer sind z.B. Kochen, Sport oder Kunst.  Sie sind dafür da, dass sich die Kinder im späteren Leben selber versorgen können und selbständiger werden. Das ist sehr wichtig in dem Leben eines Kindes mit  Down-Syndrom.  Die Kinder werden dort mit Essen versorgt und bleiben meist bis 3 Uhr in der Schule. Dann werden sie wieder mit dem Bus nach Hause gebracht. Etwas sehr wichtige ist das Buch, in dem alle Geschehnisse  von dem Schultag festgehalten werden, so wie Fortschritte oder besondere Verhaltensweisen. Mein Sohn ist voller Lebensfreude und kann kaum still sitzen, 3 Mal in der Woche geht er zum Fußballtraining.

Nach der Schule gehen wir oft zusammen zum Spielplatz und haben viel Spaß.

Ich liebe mein Leben und bin froh, dass er in mein Leben getreten ist.

Das Interview führten Jessica Debus, Nicole Schweitzer Laura Egler, Klasse 8c.

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