Lutz van Dijk präsentiert Geschichten aus Kapstadts Townships

Der Autor aus Südafrika stellt seine Romane am Gymnasium Adolfinum vor

Es ist mucksmäuschenstill im Raum I 27 des Adolfinums, als Lutz van Dijk die Lebensgeschichte des jungen Sabatha erzählt, dem Vorbild für die Hauptfigur seines Romans „Themba“. Fasziniert lauschen die Schüler der Jahrgangsstufe 8, auf welch abenteuerlichem Weg der Junge sich aufmacht, seine kleinen Geschwister ausfindig zu machen, die nach dem AIDS-Tod der Mutter alleine im Township Masiphumelele bei Kapstadt zurückgeblieben sind. Er findet sie schließlich im HOKISA, dem HOme for KIds in SouthAfrica, einem Heim für AIDS-Waisen, das der Autor mit Freunden in Südafrika gegründet hat, um diesen Kindern eine Lebens- und Überlebensperspektive bieten zu können, in einem Land, in dem jeder 5. HIV infiziert ist.

„Jeden Tag sterben in Südafrika 1000 Menschen an AIDS, 500 davon sind Kinder!“, so entrüstet sich der engagierte Autor, der seit 11 Jahren im HOKISA lebt und die 21 Kinder und 10 Mitarbeiter dort als seine Großfamilie betrachtet.

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Sehr anschaulich schildert van Dijk, wie das von Friedensnobelpreisträger Erzbischof Desmond Tutu 2002 eingeweihte HOKISA als erstes Haus dieser Art auch diesen mittellosen Kindern mit Hilfe von Spenden aus NRW kostenfrei AIDS-Medikamente zur Verfügung stellen konnte – und das zu einer Zeit, als dies öffentlichen Einrichtungen in Südafrika offiziell von der Regierung verboten war. „Uns war klar, wenn wir diese Gesetze nicht umgehen, dann würden die Kinder sterben!“.

Die Jahrgangsstufe 8 hat sich auf den vom Friedrich-Bödecker-Kreis und dem Kultusministerium geförderten Besuch des Autors gut vorbereitet, hat seine spannenden Romane „Themba“ und „Romeo und Jabulile“ behandelt, sich unter dem Thema „Anders Leben“ mit Südafrika beschäftigt und den Leseraum mit aussagekräftigen Themenplakaten bunt gestaltet. Und so entwickelt sich schnell ein intensives Gespräch mit dem Autor über die Hintergründe seiner Romane, über die Lebensumstände in Südafrika, sein HOKISA-Projekt und über die Menschen, die mit ihrem Schicksal hinter den fiktiven Romanfiguren stehen – und natürlich sind die Schüler auch am ungewöhnlichen Leben des weitgereisten deutsch-holländischen Autors selbst interessiert. Warum, so wird er beispielsweise gefragt, habe er sein Leben in Deutschland aufgegeben? „Ich wollte etwas gegen die Ungerechtigkeit in dieser Welt unternehmen. Es ärgert mich, wenn Menschen, die sehr viel Geld haben, es nicht dafür nutzen, dass es ihren Mitmenschen besser geht, etwa indem sie Schulen bauen. Ich kann nicht glücklich sein, wenn mein Nachbar im Unglück lebt!“

Lutz van Dijk stellt jedoch nicht nur seine eigenen Romane vor, sondern auch „Niemand wird mich töten“ von Mbu Maloni, einem Jugendlichen aus dem HOKISA, der seine eigene dramatische Lebensgeschichte als Straßenkind in den Townships authentisch in diesem autobiographischen Jugendbuch vermittelt. Denn der Antrieb dieses jungen Schriftstellers deckt sich wohl mit dem van Dijks: „Ich möchte junge Menschen ermutigen, niemals aufzugeben!“ Und so schildern die vorgestellten Bücher nicht nur das harte, oft anrührende und vor allem „andere Leben“ der Kinder aus den Townships, sondern es sind auch Geschichten über Mut und Hoffnung in einer manchmal hoffnungslos erscheinenden Welt.

Zum Abschluss der Veranstaltung bekommen die Schüler noch einen Kurzkurs in Xhosa, eine der 11 Amtssprachen Südafrikas. Alle versuchen, die ungewöhnlichen Zungen-Klicklaute dieser fremdartigen Sprache nachzuahmen – und so endet die spannende und informative Präsentation des charismatischen Autors in einer lustigen Kakophonie.

Harald Michler

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