Sprung in den Abgrund – Ein Besuch in der einzigen Stuntschule für Kinder und Jugendliche

Annika atmet tief durch, bevor sie langsam die Leiter hoch klettert. Sie stellt sich an die Kante der Sieben-Meter-Plattform von der sie gleich springen wird. Sie schließt die Augen und springt.

Stille.

Ein Schrei ertönt.

Dann ist  wieder Ruhe, bis ein Klatschen die Stille durchbricht.

„Gut gemacht, Annika. Nur an deiner Spannung musst du noch arbeiten“, sagt Manfred, Annikas Trainer. Sie ist eine von wenigen die auf die Kinder und Jugend Stuntschule Movie Kids geht. Diese ist die einzige in ganz Deutschland und heute bin ich hier dabei um einen Tag von Annika mitzuerleben. Hier lernt jeder der will zum Beispiel Bühnenboxen, Szenenspiele, Stockkampftechniken oder Kampfchoreographien. Annika macht am liebsten die Auto- und Feuerstunts. „Ich mag das Gefühl in Gefahr zu sein, aber trotzdem alles im Griff zu haben.“ Robert, ihr Teampartner fügt hinzu: „Annika ist wie ein Profi“. Das muss sie auch sein, denn ihr Sport ist, obwohl immer alles gesichert ist, nicht ganz ungefährlich. „Man muss sich vertrauen können“, sagt Annika „sonst geht alles schief.“ Vertrauen ist eine sehr wichtige Rolle für viele Sachen, zum Beispiel beim Stockkampf, bei dem zwei Leute nach einer vorgegebenen Choreographie gegeneinander kämpfen. Dabei muss man sehr viel Vertrauen zu der anderen Person haben, sonst können leicht Unfälle passieren. Annika hatte bis jetzt Glück „Mir ist bis jetzt noch nicht so viel passiert, nur einmal bei einem Job, wo ich durch die Luft an einem Drahtseil fliegen sollte, hab ich einen Stahlpfosten gestreift. Mein rechtes Bein war komplett blau und ich konnte ein paar Tage lang nicht richtig laufen.“

Trotzdem macht Annika weiter. Im Moment wird sie von Robert zur Trainerin ausgebildet. „Das Training ist zwar härter, aber es lohnt sich! Man bekommt schneller Aufträge.“ Die Jugendlichen werden oft gebucht, da es nicht viele Kinder und Jugendliche gibt, die Stunts professionell machen können. „Den größten Job, den ich je gemacht habe, war bei der Neusser Eisrevue, wo ich beim „Fliegenden Holländer“ mitgewirkt habe.“ Aber wie kommt man eigentlich zu so einem ungewöhnlichen Sport? „ Ich möchte Stuntfrau werden.“, gesteht mir Annika in ihrer Pause. Das ist kein populärer Beruf, trotzdem werden oft Stuntleute gebraucht, zum Beispiel im Movie Park  gibt es jedes Jahr eine Stunt Show oder auch in Filmen werden sehr oft Stuntleute gebraucht, zum Beispiel bei Feuerstunts.

So einen Stunt wird Annika jetzt auch machen. Ich lasse es mir natürlich nicht entgehen, mir das anzusehen. Zuerst muss Annika aussuchen, was an ihr brennen soll, diesmal sollen beide Armen brennen. Dafür zieht sie sich einen Pulli an, bei dem die Arme des Pullis nass sind. Dies ist dafür gedacht, dass ihre Arme nicht wirklich brennen, sondern nur die mit Benzin getränkten Leimchen, die sie nun auf den nassen Ärmeln befestigt. Zum Schluss zieht sie noch eine nasse Mütze auf, da sich Haare sehr schnell entzünden und darüber noch eine Sturmhaube. Jetzt stellt sich Annika nur noch auf ihre Position und wartet darauf, dass Robert sie anzündet. Sobald sie in Flammen steht, muss sie kurz warten, da man nicht direkt ins Feuer schauen sollte, das es nicht gut fürs Auge ist. Danach muss Annika in einem normalem Tempo in eine Richtung gehen, die sich nach dem Wind richtet. Nachher wird das Feuer dann mit nassen Handtüchern wieder gelöscht.

Ich halte die Luft an als Robert Annika anzündet. Es sieht alles so echt aus! Als würden Annikas Arme wirklich brennen. Annika läuft los. Wenn Annika in die falsche Richtung läuft, könnte es passieren, dass das Feuer ihre Kleidung trifft und das wirklich etwas brennt. Deswegen sollte man so was nie zu Hause probieren, man braucht immer einen Profi, der einem im Notfall helfen könnte. Annika schafft alles ohne Probleme, ich bin sehr erleichtert.

Nun will ich mir noch einmal einen Sprung aus hoher Höhe anschauen. Heute wird sie acht Meter springen. Für Annika kein Problem. Sie stellt sich an die Kante der Plattform. Unten liegt eine Sprungmatte mit einem Orangen Strich, auf dem man laden muss. Es gibt drei unterschiedliche Arten  zu springen. Die erste Art zu springen, ist einmal, wenn man sich rückwärts an die Kante der Plattform stellt und sich dann starr wie ein Brett runter fallen lässt, indem man Po, Beine, Rücken und Bauch anspannt. Dabei ist es wichtig nach oben zu schauen. Wenn man zur Seite schaut, fällt man automatisch schief und landet dadurch nicht auf der orangen Markierung. Die zweite Technik ist, wenn man vorwärts springt. Im Fall reißt man das Bein nach oben, um dann wie bei der bei der eben grade beschriebenen Technik auf dem Rücken zu landen. Die letzte Art heißt Hangover,  dabei  springt die Person kopfüber runter und dreht sich im Flug, so dass man fällt wie vorher beschrieben. Dies ist die schwierigste der drei Arten. Rückwärts ist es am einfachsten, da man sich nur fallen lassen muss. Annika springt vorwärts. Sie schreit wieder, während sie springt.

„Und wie war ich?“ fragt mich Annika lächelnd. „Gut, aber schreist du immer wenn du springst?“ „Ja, ansonsten wäre ein zu hoher Druck auf meiner Lunge.“ Ich frage mich, ob sie keine Angst hat von so einer Höhe zu springen. „ Ja, am Anfang schon aber wenn ich erst gesprungen bin will ich noch mal. Man spürt das Adrenalin richtig. Willst du es vielleicht auch probieren?“ Ich lass es mir natürlich nicht entgehen und klettere zusammen mit Annika auf die drei Meter hohe Plattform. „Stell dich da hin, damit du gleich auf der Markierung landest und jetzt spann deinen Körper an.“ Ich spanne alles an und habe Angst nicht richtig zu landen oder daneben zu fallen. „Schau nie zu Seite immer nur nach oben.“, sagt mir Annika noch einmal bevor ich noch einmal meinen Körper anspanne und meinen ganzen Mut zusammennehme und mich fallen lasse. Im Fluge schrei ich nur noch und probiere meinen Körper angespannt zu lassen.

Der Aufprall ist weicher als ich gedacht habe. Annika taucht neben mir auf. „Und wie war’s?“, fragt Annika mit aufgeregter Stimme. Jetzt, nachdem ich gesprungen bin, finde ich es richtig gut und würde es am liebsten noch einmmal machen. „Super!“

 

Du willst auch einmal Stuntfrau/mann sein? Dann kannst du an diese E-mail Adresse schreiben: info@movie-kids.de

Amelie Eigemann

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