Huch, da hab ich aber Angst! Auf Geisterjagd

Geister?Thorsten (7) hat Angst. Entsetzliche Angst. Er fürchtet sich vor der Nacht.

Da! War das vielleicht ein Gesicht über dem Schrank? Er macht das Licht an, um nur zu entdecken, dass es eine Karnevals-Maske war.

Er schaute aus dem Fenster, zwischen der Kirche und den anderen Wohnhäuser lässt sich der Friedhof erkennen, aus dem angeblich Gespenster kamen. Er fürchtet Geister, er hat sie im Fernsehen gesehen, weiße schemenhafte Gestalten waren sie, er glaubt sie fast zu sehen, aber seine Eltern sagen ihm immer, dass es nicht stimmt. Sie sagen, es gibt keine Geister.

Aber er war sich da nicht so sicher.

Viele andere Leute übrigens auch nicht. Angefangen hat die Vorstellung mit den Geistern offenbar mit Naturgeistern. Ein alter Baum, der sich im Wind schaukelt, ein Fels der wie ein Mensch aussieht oder ein kleiner See mit wundersamen Farben während dem Jahreszeitenwechsel.

Eigentlich sind das heutzutage alles geklärte Naturphänomene, aber damals (angefangen wohl schon in der Steinzeit), waren sich die Leute unsicher.

Sie glaubten an höhere Mächte, hatten allerdings noch keinen festen Glauben, sowie wir es heute z. B. mit dem Christentum tun, sondern setzten alles, was irgendwie wundersam war, sofort eine eigene „Göttlichkeit“ oder höhere Macht zu. So erzählte man sich schon Geschichten, wie zum Beispiel eine Frau nachts immer zu dem Baum kam und es schüttelte. So kam der erste Glaube an Geister und somit die ersten Geisteranbeter. Diese Naturgeister haben auch einen großen Einfluss auf spätere größere Religionen, wie den Islam oder dem Christentum.

Thorsten sieht sich um, im seinen Zimmer sammeln sich sehr viele Bücher im Schrank an.

In einigen stand auch etwas von Geistern, aber das waren Bilderbücher, in denen steht, dass ein kleines Gespenst in den Schlössern von einem König lauert und Mitternachts immer hinaus kommt und die Burgwachen erschreckt. Aber warum tauchen die Geister laut Geschichten immer in Bürgen oder Schlössern auf, oder als Poltergeist in irgendeinem Geisterhaus?

Meistens entstehen solche Geistergeschichten immer nach einem kuriosen Todesfall oder Verbrechen. So sagt man, dass Tote, die wichtige Dinge vor dem Tod nicht hatten erledigen können, und deshalb nicht ruhen können, bis ihre Aufgabe erledigt sei. Deshalb wandern sie nachts ruhelos durch die Gegend.

George Tyrrel, ein Priester und Theologe, teilt die Erscheinung der Geister und die Geister selbst in verschiedene Kategorien ein. Als Experimentiergeister bezeichnet er diejenigen, dessen menschlicher Geist seinen lebenden Besitzer verlässt und anderswo erscheint, während Astralgeister überhaupt keiner menschlichen Seele angehören. Post-mortem-Geister (nach-dem-Tod-Geister) sind die Seelen der Verstorbenen, die meistens noch ihre Familienangehörigen oder – falls durch ein Verbrechen verstorben – auch ihre Mörder besuchen. Von Krisengeistern ist etwas seltener die Rede, denn sie tauchen vor einem Unglück seiner Familienangehörigen auf, um sie zu warnen. Über die echten Geister ist in meisten Legenden und Gruselgeschichten die Rede. Diese Art von Geister sind an einem Ort gebunden, z. B. an einem Haus, wo sie sich besonders wohl fühlen. Viele von ihnen waren zu Lebzeiten angeblich gerne an jenen Ort gewesen oder hatten gar dort gelebt, bevor ihnen der Tod ereilte.

Thorsten schaut nochmal aus dem Fenster. Immer bildet er sich ein, dass auf dem Friedhof weiße Gestalten herumflogen. Vielleicht gibt es sie ja wirklich, die Geister. Vielleicht fliegen sie wirklich um einen herum und machen unheimliche Töne, im Dachboden glaubt er solche öfters mal zu hören. Poltergeister nennt man diese Gespenster, weiß Thorsten.

Aber wenn er seine Eltern bittet mal nachzuschauen, kommen sie immer lächelnd herunter und sagen ihm, sie hätten nichts gefunden.

Kann irgendjemand beweisen, dass es Geister nicht gibt, gibt es eine Geistergeschichte, die wissenschaftlich aufgeklärt ist?

Ja, tatsächlich wurden einige Geistergeschichten schon aufgeklärt, meistes war die Angst Auslöser von solchen Eindrücken. Denn Dunkelheit, Kälte wie Feuchtigkeit setzt das Gehirn des Menschen sehr unter Druck und bringt als Resultat oft Sinnestäuschungen hervor. Bei manchen realeren Eindrücken sind tiefe Schwingungen die Gründe. Sie kommen in alten Burgen oft vor, wenn der Wind gegen die alten Mauern drückt. Der entstandene Infraschall könnte die Augäpfel des Menschen unter Schwingung versetzen und dadurch extrem reale Täuschungen hervorrufen. Ein weiterer Grund könnte Magnetismus sein. Magnetismus könnte das Gehirn täuschen und schon oft fanden Wissenschaftler an den Orten, wo Magnetismus besonders stark war, Geisterhäuser oder Spukschlösser. Der eigentliche Spuk baut sich dann im Gehirn zusammen. Dunkelheit und Beklemmung versetzt die Psyche in Alarmbereitschaft, wenn auch noch bestimmte Erwartungen dazu kommen, wie die Erkenntnis, dass an diesem Ort ein Gespenst bereits aufgetaucht war, dann glaubt das Gehirn plötzlich selbst eine Gestalt oder ähnliches zu entdecken. Infraschall und Magnetismus fördern diese Vorstellung in gewisser Weise. Obwohl wir Magnetismus nicht sehen können und Infraschall nicht hören können, spüren wir dennoch eine „Spannung“. Das Gehirn sucht nach Erklärung und das Auge baut sich eine neue Person zusammen, dies gelingt in der Dunkelheit besonders gut.

Thorsten ist älter geworden und geht jetzt schon auf ein Gymnasium. Langsam verschwinden bei ihm die Vorstellungen über Geister. Diese Entwicklung vollziehen allerdings nicht alle Menschen, manche glauben ein Leben lang an ihnen und bekräftigen, dass sie bereits schon Geister gesehen haben, einige jedoch, betrügen leichtgläubige Menschen und nehmen Geld dafür, dass sie Geister beschwören. Jeder kann sehen, wie viele wirklich an Beschwörungen glauben: Man muss einfach bei Google „Geisterbeschwörung“ eingeben und schon merkt man, dass die Gläubigen Foren und Portale füllen mit Fragen und Antworten zu Beschwörungen.

Thorsten wird nie so werden, er hat schon gelernt, sämtliche Phänomene, die ihm erscheinen, wissenschaftlich zu erklären. Schließlich leben wir ein einer ganz anderen Zeit, als damals, wann die ersten Märchen und Erzählungen aufgeschrieben worden sind.

Jakob Sommer

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